"Wasser ist ihr Element"

- Ein Bericht über die kanadische Austauschschülerin Margo Bacher -



Margo Bacher Ein Schwimmtalent hatten die Gasteltern der kanadischen Austauschschülerin Margo Bacher nicht erwartet. Die bald Sechzehnjährige, welche seit September das Gotthold-Ephraim-Lessing Gymnasium in Kamenz besucht, hat bei Susi und Jens Philipp in Friedersdorf für ein Jahr ihr Zuhause. Bei einer Familie, wo es eher sehr musikalisch zugeht.
Margo kommt aus Cornwall in der Provinz Ontario. Hier betreibt sie bereits seit ihrem vierten Lebensjahr Schwimmsport. Und zwar ganz aktiv! An fünf Tagen in der Woche wird Schwimmen trainiert und zur Verbesserung der Fitness drei Mal Ausdauerläufe. Das sind achtzehn Stunden in der Woche. Der Erfolg kann dann natürlich nicht ausbleiben. Mit vierzehn belegte sie in der kanadischen Jahresbestenliste den siebenten Platz im 100 Meter Brustschwimmen. Sie benötigte dafür die respektable Zeit von 01:18,87. Jährlich bestreitet Margo bis zu elf Wettkämpfen, davon fünf hochrangige wie Provinzmeisterschaften und Kanada Meisterschaften.
Ihre Familie fühlt sich dem Wassersport verbunden, denn auch ihre beiden Schwestern, die zwanzigjährige Maxine und die achtzehnjährige Corinne sind nicht nur gute, sondern auch erfolgreiche Schwimmerinnen bei Provinz und Nationalwettkämpfen. Und der Papa ist aktiver Triathlet. Sie alle gehören zu den "Cornwall Sea Lions", einem Schwimmclub, der aus etwa sechzig Mitgliedern besteht, die sich für Trainingszwecke in einer Schwimmhalle eingemietet haben.
Ein hauptamtlich angestellter Coach leitet das Training. Die Finanzierung erfolgt durch Mitgliedsbeiträge, Sponsoring und für deutsche Verhältnisse etwas ungewohnt - durch Arbeitseinsätze der Schwimmjugend, die als Dienstleistung und zum Nutzen des Clubs Autowäschen oder Rasenmähen bei Privatpersonen anbietet. Auch mit dem Erlös aus Lotterien bei Clubfesten werden die "Cornwall Sea Lions" finanziert.
Während der Zeit des Deutschland-Aufenthaltes trainiert Margo beim OSSV. Drei Mal in der Woche kommt sie dazu von Friedersdorf nach Kamenz, und das zu Zeiten, wo keine Busse fahren. Dass die Gasteltern alles tun, damit Margo auch in Kamenz Schwimmsport betreiben kann, versteht sich. Sie brachten ihre verwandtschaftlichen Verbindungen zur Triathleten-Familie Thomschke in das Spiel, die es fortan organisiert, dass Margo zum Training mitgenommen wird.
Damit sie in Form bleibt, sollen auch Wettkämpfe für den OSSV absolviert werden. Ihr Debüt dafür hatte sie am 14. Oktober beim Wettkampf um den Greizer Sprintpokal. Als erste Schwimmerin kam sie in das Ziel bei 50m Freistil (00:30,33), 50m Brust (00:37,79) und 50m Schmetterling (00:35,45). Außerdem schlug sie beim 50m Rückenschwimmen (00:36,87) als Zweite an. Leider schwamm sie außerhalb der Wertung, denn der Deutsche Schwimmverband gestattet das Gaststartrecht erst, wenn erforderliche Formalitäten mit dem kanadischen Club erfolgt sind. Daran fehlt es noch. In Deutschland muss eben alles seine Ordnung haben.
Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass Margos Familienname deutschstämmig ist. Der Urgroßvater Bacher wanderte von Deutschland nach Kanada aus. Aber auch Iren, Franzosen und sogar ein Indianer gehören zu ihren Vorfahren. Davon weiß sie voll Begeisterung zu berichten, und man merkt es ihr an, dass sie auf ihre fast internationale Abstammung und die kanadische Heimat sehr stolz ist.

Edeltraud Schnappauf
 
zurück