Kleinodien kommen nach Kamenz zurück
Ernst Peuker zum Gedenken




Ernst Peuker


Auf einem dem OSSV geschenkten Pokal des "Wasserklubs Kamenz 1906" aus dem Jahre 1924 sind vier Namen genannt: E. Peuker, W. Stäglich, F. Linke, R. Mitzschke. Diese hatten beim Schwimmfest 1924 die 4 x 50 m Lagenstaffel der Jugendabteilung gewonnen. Darüber wurde in der Sächsischen Zeitung am 20. Juli 2005 berichtet und die Leser gefragt, wer zu sagen weiß, welche Vornamen sich hinter den Abkürzungen E, W und R verbergen.
Von diesem Aufruf erfuhr der in Düsseldorf lebende Hagen Herbst von seiner Mutter Birgit Herbst aus Kamenz. Was lag für Hagen Herbst näher, als dem OSSV mitzuteilen, dass Herr Peuker mit Vornamen Ernst hieß, sein 1981 verstorbener Opa war und er Erinnerungsstücke habe, die er gern dem OSSV schenken wolle.
Ernst Peuker war am 19. April 1908 in Kamenz geboren. Seine Eltern führten auf der Wallstraße den Verkaufsladen "Fischl-Peuker" und schon früh gehörte es zu seinen Pflichten, den Kunden Fisch und Wild ins Haus zu bringen. Er sah das durchaus nicht als lästige Aufgabe an, sondern eher als Trainingsvorbereitung für das Schwimmen.
Schon als Kind und Jugendlicher war er Mitglied im "Wasserklub Kamenz 1906" und konnte zahlreiche Erfolge verzeichnen. Auch als er seine Ausbildung an der Kamenzer Handelsschule absolvierte, danach seinen Lebensunterhalt als Taxifahrer in Kamenz verdiente und schließlich bei der Firma Bombach eine feste Anstellung als Kraftfahrer erhielt: stets fühlte er sich dem Schwimmsport auf das Engste verbunden.
1939 heiratete er Elsbeth Freudenberg, 1942 kam Tochter Birgit auf die Welt. Die Einberufung zum Kriegsdienst gab seinem Leben eine Wende. Als er 1947 aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, gab es keinen "Wasserklub" mehr. Es hätte auch die Muse zum Schwimmsport gefehlt, denn der Kampf ums Überleben hatte Priorität.
Ernst Peuker fand kurzfristig Arbeit in der Cunnersdorfer Ziegelei, wo jedoch keine Ziegel, sondern Nasspresssteine aus Braunkohle für Heizzwecke hergestellt wurden. Anfang der fünfziger Jahre bewarb er sich bei der Kasernierten Volkspolizei und ging nach Bildung der Deutschen Grenzpolizei mit seiner Familie nach Görlitz.
Was ihn immer noch mit dem Schwimmsport verband war das Bedürfnis, in seinen Enkelsöhnen die Liebe zu dieser Sportart zu wecken. Und selbstverständlich lehrte er sie auch im Vorschulalter das Schwimmen. Als Rentner kehrte Ernst Peuker in seine alte Heimat zurück und arbeitete noch einige Jahre als Zivilangestellter auf dem Kamenzer Flugplatz, wo er für das Anschlussgleis verantwortlich war.
Er verstarb am 9. April 1981 in seiner Geburtsstadt.
Zu den Zeugnissen, die an Ernst Peukers Schwimmererfolge erinnern, gehören neben oben genannten Pokal eine Siegerplakette des SV Undine in Sohland und eine Siegermedaille des Wassersportvereins Bernsdorf aus dem Jahr 1924. Andere Belege sind durch zahlreiche Umzüge verloren gegangen.
Als Ernst Peukers 1968 geborener Enkelsohn Hagen seine ersten Spartakiadeerfolge im Sportschwimmen errang, schenkte ihm der stolze Opa die wertvollen Trophäen. In Erinnerung an seinen Großvater und aus Wertschätzung für den Kamenzer Schwimmsport übereignet Hagen Herbst die Kleinodien dem Ostsächsischen Schwimmverein.
Vielen Dank! Sie werden in der Ausstellung des OSSV "100 Jahre Vereinsschwimmen in Kamenz" einen würdigen Platz finden.

Edeltraud Schnappauf
 
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