Ironman Lanzarote
- Triumph auf der Lavainsel -

(20.05.2006)


Sven Kunath nach dem Zieldurchlauf Glühende Sonne, böiger Wind, viele Höhenmeter und rauer Asphalt. Das sind die Zutaten für die wohl schwierigste Radstrecke bei einem Ironman-Rennen. Meiner Stärke bei langen schwierigen Radkursen bewusst, hatte ich schon lange mit einem Start bei diesem brutalen Wettkampf geliebäugelt. Nach bestandenem Examen und vor meiner jetzt beginnenden harten Zeit als Assistenzarzt ging es auf die nördlichste der kanarischen Inseln. Bereits am Flughafen wurde man von einer steifen Brise in Empfang genommen. Ich absolvierte zur Gewöhnung an die Bedingungen noch kleinere Trainingseinheiten in der Mittagsglut. Beim Blick auf den Tacho wurde mir Angst und Bange. Entweder musste ich bergauf mit Gegenwind aufpassen um nicht mit dem Rad umzukippen oder bergab mit über 60 Sachen krampfend in den Lenker greifen, um nicht von einer Windböe neben die Straße ins Lavageröll befördert zu werden. Dafür war´s beim Laufen trotz sengender Sonne angenehm frisch und ich lief locker knappen 4er Schnitt.
Am 20. Mai 2006 sollte es soweit sein. Nachdem der Wind zwei Tage vor dem Start noch mal kräftig zugelegte, hatte ich gehörigen Respekt vor der Radstrecke einmal um die ganze Insel mit 2.600 Höhenmetern. Der Schwimmstart für die 3,8 km erfolgte vom Land aus und nach 100 m Anlauf stürzte ich mich mit der Masse von 1000 Leuten in den Atlantik. Hier bekam ich erst mal ordentlich Prügel. Ich wollte nur noch über Wasser bleiben und nicht so viel Salzwasser schlucken. Ich dachte, ich würde nicht vorwärts kommen, denn ich brachte keine ordentlichen Schwimmzüge zustande. Überrascht war ich beim Landgang nach halber Strecke, als ich auf meiner Stoppuhr etwas mit 29 Minuten sah. Offensichtlich bin ich in der Masse mitgetrieben worden. Nachdem die zweite Runde dann geordneter Ablief, schaffte ich das Schwimmen als 175. in 59:26 min.
Auf dem Rad begann ich mich dann kontrolliert auszutoben. Ich brachte ordentlich Druck auf die Pedale und konnte besonders an den Anstiegen viele Plätze gut machen. Auf besonders holprigen Abschnitten dachte ich mein Rad würde unter mir auseinanderbrechen. Zwischen km 100 und 160 war ich ziemlich allein unterwegs bis ich mir kurz vor dem Wechsel zum Lauf noch paar Profis schnappte. Als 17. bin ich mit der 10. Radzeit von 5:18 h auf die Marathonstrecke.
Dummerweise hatte ich meinen Proviant zu früh aufgefuttert und unterwegs nichts Essbares zu greifen bekommen, so dass ich nicht wie gewohnt am Ende der Radstrecke verpflegen konnte. Das musste ich dann auf den ersten Laufkilometern bei bewusst lockerem Schritt nachholen. Ich einigte mich danach mit meinen Beinen auf ein zügiges Tempo ohne zu überziehen. Nach 1:32 h war dann Laufhalbzeit und es ging mir noch sehr gut. Ich begann jetzt viel Cola dazu noch paar Gels in mich hinein zu schlürfen. Die Krämpfe, die sich ab km 36 in meinen Adduktoren ankündigten, konnte ich mit sanftem Dehnen und jetzt wieder Isotonischem Getränk unterdrücken. Das viele Wasser, was ich zur Kühlung über mich goss, führte an meinem rechten Ballen zu einer riesigen Blase. Als die bei km 40 platzte, war ich wieder 2 cm kleiner und lief vom Gefühl auf dem Knochen. So kurz vor Ziel war das zwar schmerzhaft aber auch egal.
Nach 9h:34min kam ich freudestrahlend an den jubelnden Zuschauern vorbei als insgesamt 14. ins Ziel. Meine Altersklasse (25-29) konnte ich damit klar gewinnen. Damit qualifizierte ich mich für den Ironman Hawaii in diesem Jahr.

Sven Kunath
 
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