Bericht vom
Ironman Germany in Frankfurt

(23.07.2006)



Sven Kunath auf der 180 km Radstrecke Am Sonntag dem 23.07. war es wieder so weit. Beim längste Tag des Jahres in Frankfurt wurden erstmals die Europameister beim Ironman ermittelt.
Und diesmal sollte es ein ganz besonderer Wettkampf werden. Wegen der Hitze der letzten Wochen war die Wassertemperatur im Langener Waldsee auf über 25C angestiegen. Das bedeutete das Verbot der Neoprenanzüge beim 3,8 km Schwimmen, damit niemand einen Hitzschlag darin bekommen konnte.
Mit diesmal über 2100 Startern stand ich also ohne meine geliebte Schwimmhilfe nur mit Badehose bekleidet am Start. Da ich ohne Talent für die erste Disziplin auf die Welt gekommen bin, bedeutete das für mich und alle anderen schlechten Schwimmern nichts Gutes. Gleich zu Beginn musste ich ordentlich einstecken und des öfteren meine Schwimmbrille richten, weil die durch zappelige Füße und Hände der Konkurrenz quer durch mein Gesicht verschoben wurde. Ich befürchtete meine Kontaktlinsen könnten bei dem Gewühle rausrutschen und ich hätte wegen akuter Blindheit aufgeben müssen. Nach 1h:10min waren die Qualen für mich beendet und ich hatte ordentlich Wut fürs Radfahren gesammelt. Schließlich hatte ich jetzt über 450 Teilnehmer vor mir, die darauf warteten eingesammelt zu werden.
Aggressiv strampelte ich los, wobei es bereits nach wenigen km begonnen hatte in Strömen zu regnen. Trotzdem war die Strecke sehr schnell und auf nasser Fahrbahn hatte ich besonders in den Kurven Bammel nicht wegzurutschen. Dann nach halber Strecke der Schock; ein Transporter hatte sich an einer Kreuzung auf die abgesperrte Strecke verirrt und wusste nicht weiter. Als ich innen vorbei wollte, hatte der schon den Rückwärtsgang drin und versperrte mir meine Lücke. Mir blieb nichts anderes als eine Vollbremsung. Doch wegen der Nässe reichte es nicht mehr zum Stehen. Ich schlitterte in das Heck des Fahrzeuges und landete auf dem Asphalt. Zuerst dachte ich mein Vorderad ist dahin, aber nach Lösen der Bremsen lief es glücklicherweise doch rund. Ich sprang wütend auf und brachte meinen Ärger lautstark zum Ausdruck. Von Adrenalin überschüttet merkte ich zuerst nicht einmal meine Schürfwunden. Insgesamt brauchte ich für die 180 km Radstrecke diesmal sensationelle 4 h: 37 min, was einem Schnitt von 39,3 km/h entspricht.
So begann ich dann als 33. den abschließenden Marathon. Die Gewitterwolken hatten sich nun verzogen und die Sonne sorgte für ordentliche Ironman-Temperaturen um 30C. Die vielen Zigtausend Zuschauer trieben mich in der Hitze voran. Allerdings versuchte ich sehr locker zu bleiben, weil mir die Müdigkeit bereits langsam in die Beine kroch. Vielleicht war ich ja doch zu hart Rad gefahren. Ab Laufkilometer 25 spürte ich rechtzeitig, wie meine Oberschenkelmuskulatur leicht zu krampfen begann. Mit sanften Massagen während des Laufens und leichten Dehnübungen bei den Verpflegungsstellen konnte ich schlimmeres verhindern. Denn wenn der Krampf erst einmal richtig beginnt, ist an normale Fortbewegung nicht mehr zu denken.
In einem Spalier aus vollbesetzten Zuschauertribünen genoss ich den Zieleinlauf am Frankfurter Römer. Mit persönlicher Ironmanbestzeit finishte ich überglücklich als 23. nach 9 h: 10 min.

Sven Kunath
 
zurück